„Fuck you – God Natt!“ – Diese SMS landete nach einem Streit in der Nacht auf dem Handy der Mutter. Ein wütendes „Verpiss dich“, gefolgt von einem überraschenden „Gute Nacht“. Ein Satz wie ein Schlag ins Gesicht, zugleich aber auch eine Berührung voller Wärme.
Als ich davon hörte, musste ich schmunzeln. Ich erinnerte mich an zwei Mädchen, etwa 15 Jahre alt, gut geschminkt, eine Zigarette in der Hand, lachend auf einer Schaukel. Ihre Körperhaltung ist lässig, ihr Blick herausfordernd – und doch blitzt eine kindliche Verspieltheit durch. Ein perfektes Symbol für diese Lebensphase: Einerseits rebellisch und erwachsen wirken wollen, andererseits in der eigenen Unsicherheit Schutz suchen.
Die innere Zerrissenheit der Jugend
Das Jugendalter gleicht einer lärmenden Baustelle, auf der alte Strukturen eingerissen und neue geschaffen werden. Im Gehirn finden grundlegende Umbauarbeiten statt: Die emotionalen Zentren arbeiten auf Hochtouren, während der Teil, der für überlegte Entscheidungen zuständig ist, noch etwas hinterherhinkt.
Das bedeutet: Jugendliche können in einem Moment reif argumentieren, im nächsten aber völlig kindisch reagieren. Sie fordern Autonomie, sehnen sich aber dennoch nach Halt. Sie stoßen ihre Eltern von sich – und schicken dann eine SMS mit „Gute Nacht“.
Diese Widersprüchlichkeit ist für Eltern oft schwer auszuhalten. Doch sie ist normal.
Wie Eltern in dieser Phase Halt geben können
- Akzeptiere die Ambivalenz
Dein Kind ist nicht nur bockig oder undankbar – es ist auch auf der Suche nach Abgrenzung. Lass es seine Eigenständigkeit testen, ohne gekränkt zu sein. - Weniger Kontrolle, mehr Dialog
Regeln sind wichtig, aber sie sollten in dieser Phase mehr Verhandlungsspielraum bieten. Statt strikte Verbote: Offene Gespräche über Vertrauen und Verantwortung. - Auf Konflikte bewusst reagieren
Wenn dein Teenager dich anschreit, atme tief durch. Frag dich: Ist dieser Ausbruch wirklich gegen dich gerichtet – oder einfach ein Ausdruck seiner inneren Kämpfe? Bleib ruhig, auch wenn es schwerfällt. - Zeige Geduld mit dir selbst
Auch für Eltern ist diese Zeit eine Herausforderung. Du wirst Fehler machen. Das ist in Ordnung. Sei sanft mit dir selbst, genau wie dein Kind es braucht.
Rebellion als Zeichen von Nähe
Es mag paradox klingen, aber Jugendliche streiten oft genau mit den Menschen, denen sie sich nah genug fühlen, um auch ihre unschönen Gefühle zu zeigen. Ein jugendlicher Ausbruch bedeutet nicht, dass die Eltern versagt haben – sondern dass sie eine sichere Basis bieten.
Und diese Basis wird auch dann noch gebraucht, wenn es äußerlich oft anders aussieht.
„Fuck You – Gute Nacht!“ – eine versteckte Liebeserklärung
Zurück zur SMS. Vielleicht war sie der verzweifelte Versuch eines Teenagers zu sagen: „Ich bin wütend, aber du bist trotzdem wichtig für mich.“ Vielleicht war sie ein Ausdruck der Zerrissenheit, in der Jugendliche sich täglich erleben. Vielleicht war sie auch einfach nur ein Reflex, eine Gewohnheit – weil „Gute Nacht“ eben dazugehört.
So oder so: Sie zeigt, dass die Verbindung nicht abreißt – selbst in den Momenten, in denen es sich anders anfühlt.
Falls du gerade selbst mitten in dieser Phase steckst und Orientierung suchst: Ich begleite Eltern durch diese herausfordernde Zeit. Gemeinsam finden wir Wege, um Nähe zu bewahren, auch wenn Konflikte unvermeidlich sind.
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