„Ich hasse mein Leben!“ – Wie wir Jugendlichen mit Suizidgedanken helfen können

Es ist einer der Sätze, die Eltern das Herz zerreißen:

„Ich hasse mein Leben.“

Vielleicht sitzt das eigene Kind auf dem Bett, die Schultern hängen, die Augen voller Tränen. Vielleicht fällt der Satz zwischen Tür und Angel, im Streit oder in einem Moment der tiefen Erschöpfung. Und als Eltern? Da sind da plötzlich Angst, Hilflosigkeit und die Frage: Was, wenn das wirklich so ist? Was, wenn ich nicht helfen kann?

Wenn Jugendliche so etwas sagen, ist das oft mehr als eine impulsive Äußerung. Es zeigt tiefe Verzweiflung, das Gefühl, nicht gesehen zu werden, oder den Eindruck, dass das Leben nichts Gutes mehr bereithält. Doch was steckt dahinter – und wie können wir als Eltern oder Bezugspersonen helfen?

Warum fühlen sich Jugendliche so?

Die Gründe für solche Aussagen sind vielschichtig. Oft sind Jugendliche überfordert mit Schule, Leistungsdruck und gesellschaftlichen Erwartungen. Sie fühlen sich einsam, haben keine stabilen Freundschaften oder sehen in der vorgezeichneten Zukunft – Schule, Arbeit, Rente, Tod – keinen Sinn. In manchen Fällen gibt es tiefergehende Belastungen, sei es durch schwierige Erfahrungen in der Familie oder in der Schule. Suizidgedanken und Selbstverletzung sind dabei nicht die Ursache, sondern Ausdruck dieser inneren Not.

Besonders belastend ist es, wenn sich diese Einsamkeit nicht nur auf das soziale Umfeld bezieht, sondern auch innerhalb der eigenen Familie besteht. Viele Jugendliche berichten, dass sie zu Hause eine Rolle spielen, sich anpassen und niemanden an ihre echten Gefühle heranlassen – oft aus der Überzeugung, dass ihre Eltern sie sowieso nicht verstehen würden. Eltern möchten helfen, doch viele sind selbst erschöpft – vom Alltag, von finanziellen Sorgen oder von dem Versuch, alles richtig zu machen. Manchmal fällt es ihnen schwer, mit emotionalen Themen umzugehen, besonders wenn sie selbst nicht gelernt haben, offen über Gefühle zu sprechen. So kann es passieren, dass sich Jugendliche erst recht zurückziehen, um ihre Eltern nicht zusätzlich zu belasten – ein Kreislauf, der durchbrochen werden muss.

Was Jugendliche wirklich brauchen: Verbindung statt Lösungen

Es gibt keine Patentlösung, die alle Probleme verschwinden lässt. Aber eines ist entscheidend: Jugendliche müssen spüren, dass sie nicht alleine sind. Dass sie gesehen werden – mit all ihren Sorgen, Ängsten und Wünschen. Und dass ihre Gefühle ernst genommen werden.

Für viele Eltern ist das jedoch eine Herausforderung, besonders wenn sie selbst nie gelernt haben, offen über Gefühle zu sprechen. Ich höre oft Sätze wie: „Bei uns zuhause wurde nicht über Gefühle gesprochen.“ Hier beginnt ein Lernprozess – einer, der nicht nur dem Jugendlichen, sondern auch den Eltern selbst neue Möglichkeiten eröffnet.

Manchmal hilft es, Freizeitaktivitäten zu finden, die ihnen Halt geben – Sport, Musik, ein Reitstall, ein Verein. Manchmal ist es die Natur, ein gemeinsamer Spaziergang, ein ruhiges Gespräch ohne Druck. Doch egal, was man tut: Das Wichtigste ist echtes Interesse.

In der therapeutischen Arbeit erlebe ich immer wieder, dass es nicht die Methode ist, die heilt – sondern die echte Begegnung. Ein Satz wie: „Ich werde dich vermutlich nie zu 100 % verstehen. Aber mit jedem Wort, das du sagst, verstehe ich dich ein wenig besser.“ kann unglaublich viel bewirken. Denn er zeigt: Ich bin da. Und ich bleibe da.

Eltern als Begleiter statt Erzieher

Mit der Zeit verändert sich durch solche Begegnungen oft auch die Eltern-Kind-Beziehung. Eltern hören auf, nur Regeln aufzustellen und Erwartungen zu formulieren – und beginnen stattdessen, einfach da zu sein. Sie begleiten, statt zu erziehen.

Dieser Wandel geschieht nicht über Nacht. Aber er ist möglich. Und er beginnt mit Zuhören, mit Annahme – und mit echter Verbindung.

Doch wie kann das konkret aussehen? Ein erster Schritt kann sein, bewusst Zeit miteinander zu verbringen, ohne Ablenkung durch Handy oder Haushalt. Ein gemeinsames Abendessen, eine Autofahrt oder ein Spaziergang können Gelegenheiten bieten, ins Gespräch zu kommen – ohne Druck und ohne sofortige Lösungen anbieten zu müssen. Statt auf Ratschläge zu setzen, hilft es oft, einfach nur zuzuhören und Fragen zu stellen wie: „Was beschäftigt dich gerade? Wie fühlst du dich dabei?“

Auch kleine Gesten der Zuwendung sind wichtig: Eine Umarmung, ein „Ich sehe, dass es dir nicht gut geht“ oder das Angebot, gemeinsam etwas Schönes zu unternehmen, können zeigen: Ich bin für dich da, egal was ist. Wenn Eltern offen und authentisch sind, entsteht nach und nach ein Raum, in dem Jugendliche sich trauen, sich mitzuteilen – und genau dort beginnt echte Verbindung. Und genau dann passiert etwas Entscheidendes: Ihr Kind beginnt zu spüren, dass es nicht übersehen wird.

Ein Mädchen (15) hat es im Abschlussgespräch mal so ausgedrückt:

„Jetzt interessieren sich meine Eltern wirklich für mich. Ich bin gar nicht so unwichtig, wie ich immer gedacht habe.“

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