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Trail to Life· mit Martin
Dunkle Wolkendecke über einem Fjord in der Dämmerung, am Horizont ein heller Streifen

Psychische Gesundheit & Krisenbewältigung18. März 20254 Minuten Lesezeit

Ich hasse mein Leben: Suizidgedanken bei Jugendlichen

Wenn Jugendliche sagen: Ich hasse mein Leben, zeigt das oft tiefe Verzweiflung. Doch was steckt dahinter? Und wie können Eltern helfen? Der Schlüssel liegt in echter Verbindung und im ehrlichen Interesse an der Gefühlswelt der Jugendlichen.

Vielleicht sitzt dein Kind auf dem Bett, die Schultern hängen, die Augen voller Tränen. Oder, und das ist häufig, es schreit dir den Satz entgegen, schmeißt die Tür zu und verschwindet im Zimmer:

„Ich hasse mein Leben.“

Und dann stehst du da und weißt nicht, was du tun sollst. Gehen wir von genau dieser Situation aus.

Was hinter dem Satz steckt

Hinter dem Satz steckt oft Einsamkeit, weil Freunde fehlen. Oder das Gefühl, nicht so sein zu dürfen, wie man ist, und zugleich nicht zu wissen, wer man sein soll. Manchmal ist es auch Ohnmacht: Im Leben passiert etwas, und dein Kind kann nichts daran ändern.

Diese Gefühle sind echt, auch wenn sie Erwachsenen manchmal übertrieben vorkommen. Was davon bei deinem Kind zutrifft, findest du heraus, wenn du nachfragst.

Was du jetzt tun kannst

1. Kurz Raum lassen, dann anklopfen

Nach dem Türknall braucht dein Kind oft ein paar Minuten für sich. Bleib in der Nähe, dann klopf an: „Ich hab gehört, was du gesagt hast. Darf ich reinkommen?“ Sagt es Nein, reicht: „Okay. Ich bin da, wenn du magst.“ Und komm später wieder. Das zeigt deinem Kind: Der Satz ist angekommen, und du gehst nicht weg.

2. Zuhören und das Gefühl benennen

Setz dich dazu, Schweigen ist erlaubt. Erzählt dein Kind, sag in deinen Worten, was du hörst: „Das klingt, als würdest du dich gerade ziemlich allein fühlen.“ Oder frag: „Magst du mir erzählen, was dich so belastet?“ Sagt man dagegen, es sei doch nicht so schlimm, fühlt sich das Kind oft weniger verstanden.

3. Ernst nehmen

Jugendliche können dramatisch sein, ihre Gefühle sind trotzdem echt. Nimm den Satz als Signal, auch wenn er im Streit gefallen ist.

4. Schritt für Schritt nachfragen

Viele Eltern trauen sich nicht, nach Suizidgedanken zu fragen, aus Sorge, ihr Kind erst auf die Idee zu bringen. Das passiert nicht. Es kann sogar entlasten, wenn jemand fragt (Dazzi et al., 2014).

Du musst nicht mit der schwersten Frage beginnen. In der Arbeit mit Jugendlichen frage ich zuerst, ob sie ihr Leben als sinnvoll erleben: „Fühlt sich dein Leben gerade sinnvoll an?“

Erlebt dein Kind es trotz allem als sinnvoll, könnt ihr dort weiterreden: was gerade so schwer ist und was trotzdem trägt. Wirkt es eher leer oder sinnlos, darfst du einen Schritt weitergehen und fragen, ob dein Kind manchmal denkt, es wäre besser, nicht mehr zu leben. Sagt es Ja, frag ruhig nach, wie konkret diese Gedanken sind, ob es sich etwa schon überlegt hat, wie es das tun würde.

Du gehst nur so weit, wie die Antworten dich führen, und bleibst dabei ruhig.

5. Hilfe dazuholen

Sagt dein Kind, dass es nicht mehr leben möchte, hol dir zeitnah fachliche Hilfe. Gute erste Anlaufstellen sind die Kinderarzt- oder Hausarztpraxis und die Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Hat dein Kind konkrete Suizidgedanken, lass es nicht allein und hol sofort Hilfe. Dasselbe gilt bei diesen Warnsignalen:

  • Dein Kind spricht von einem konkreten Plan, sich das Leben zu nehmen.
  • Es verschenkt Dinge, die ihm wichtig sind.
  • Nach einer sehr schweren Phase wirkt es plötzlich ruhig und „besser“. Das kann bedeuten, dass es einen Entschluss gefasst hat.

Bei Lebensgefahr wähle den Notruf 112. Wenn du selbst jemanden zum Reden brauchst, findest du die Krisennummern oben auf dieser Seite.

Verletzt sich dein Kind selbst, ist das meist kein Suizidversuch, sollte aber bald fachlich angeschaut werden. Mehr dazu im Artikel Mein Kind ritzt sich. Bei wochenlangem Rückzug hilft dir der Artikel Depression bei Jugendlichen erkennen.

In Verbindung bleiben

Jugendliche brauchen ihre Eltern als sicheren Hafen, auch wenn sie die Tür zumachen. Was hilft, ist Verlässlichkeit, Geduld und echtes Interesse an ihrer Welt. Und Zeit, manchmal Wochen oder Monate.

Es ist nicht deine Aufgabe, alle Probleme zu lösen. Es ist deine Aufgabe, da zu sein.


Wenn du dir Sorgen um dein Kind machst oder selbst Unterstützung brauchst: Hol dir Hilfe. Bei mir, bei anderen Fachleuten oder bei Beratungsstellen. Du musst das nicht allein schaffen.

Onlineberatung für Jugendliche & Eltern (DE/AT)

Wenn es zu schwer wird, kann Onlineberatung ein sicherer erster Schritt sein – vertraulich, ohne lange Wartezeit und ortsunabhängig. Ich begleite Jugendliche und Eltern aus Deutschland und Österreich, wenn es gerade besonders dunkel ist.

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Du musst da nicht allein durch

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